Juli 2026
Rückspiegel:
Der Juni war ein Monat mit mehreren Drehbüchern gleichzeitig: Iran, Öl, Zentralbanken, Dollar, Yen, KI – und zwischendurch erinnerte auch noch die deutsche Fußball-Nationalmannschaft daran, dass große Vergangenheit allein keine Zukunft gewinnt. Manchmal sagt Fußball mehr über ein Land aus, als einem lieb ist.
An den Märkten sorgte zunächst die Entspannung rund um Iran und die Straße von Hormus für Erleichterung. Der Ölpreis kam zurück, und damit verschwand ein Teil des akuten Inflationsdrucks. Das bestätigte eine einfache Erkenntnis: Leitzinsen öffnen keine Seewege. Wenn der Ölpreis wegen geopolitischer Risiken steigt, können Zentralbanken zwar die Nachfrage bremsen, aber keinen Tanker sicher durch Hormus lotsen.
Trotzdem wurde aus der Entspannung kein Freifahrtschein für Zinssenkungen. In den USA bleibt die Wirtschaft robust genug, um der Fed wenig Anlass für schnelle Lockerungen zu geben. Der neue Fed-Chef Kevin Warsh machte gleich zu Beginn klar: Preisstabilität und Glaubwürdigkeit stehen wieder ganz vorne. Das stärkte den Dollar und setzte Gold, Bitcoin und die Wette auf eine schleichende Entwertung der Währungen unter Druck.
Europa sieht schwächer aus. Die deutsche Inflationsrate fiel im Juni überraschend auf 2,3 Prozent. Das ist erfreulich und nimmt der Europäischen Zentralbank etwas Druck. Gleichzeitig bleibt Deutschland das Sorgenkind. Industrie, Chemie, Maschinenbau und Auto stehen unter Kostendruck, Investitionen wandern zunehmend ins Ausland, und die Standortdebatte ist längst mehr als nur das übliche Klagelied am Unternehmerstammtisch.
Dazu kamen zwei weitere Warnsignale. Der Yen fiel gegenüber dem Dollar auf Niveaus, die man seit fast vier Jahrzehnten nicht mehr gesehen hat. Das ist kein reines Japan-Thema, sondern ein Hinweis auf die Macht des starken Dollars und der hohen US-Zinsen. Und der KI-Trade bleibt heiß: Die Gewinne vieler Chipunternehmen sind real, aber Bewertungen, Konzentration und Anlegerfantasie wirken zunehmend überhitzt. Auch Raketen kennen Schwerkraft.
Und nun?
Die gute Nachricht: Der ganz große Öl- und Hormus-Schock ist vorerst ausgeblieben. Die deutsche Inflation fällt, Energiepreise entspannen sich, und die Märkte können wieder etwas freier atmen.
Die weniger gute Nachricht: Daraus wird noch kein Goldlöckchen-Szenario. In den USA bleibt die Inflation zu hartnäckig für schnelle Zinssenkungen. In Europa ist die Wirtschaft zu schwach für zusätzliche geldpolitische Bremsmanöver. Und in Deutschland kommt zur Konjunkturschwäche ein strukturelles Standortproblem hinzu.
Für Anleger heißt das: Die Lage ist besser als befürchtet, aber nicht gut genug für Sorglosigkeit. Qualität bleibt wichtiger als Mode. Breite Streuung bleibt wichtiger als Heldenglaube. Und wer in KI investiert, sollte wissen, ob er Produktivität kauft – oder nur die Hoffnung, dass der Nächste noch teurer kauft.
Die Zentralbanken stehen damit auf schmalem Grat. Sie müssen verhindern, dass ein temporärer Angebotsschock zu dauerhaft höheren Inflationserwartungen wird. Gleichzeitig dürfen sie eine ohnehin müde Wirtschaft nicht unnötig abbremsen. Oder, um es mit einem sehr weisen Satz zu sagen: Fußball ist wie Schach – nur ohne Würfel.
Die Zahl des Monats: 2,3%
Die deutsche Inflationsrate ist im Juni überraschend auf 2,3 Prozent gefallen. Das entlastet Verbraucher, Unternehmen und die Europäische Zentralbank. Aber es löst nicht die strukturellen Probleme des Standorts Deutschland.
Weisheit des Monats
Vergangenheit gewinnt keine Zweikämpfe.
In eigener Sache: Orga
Kunden der FH2, die einer unserer standardisierten Vermögensverwaltungsstrategien folgen, erhalten in den kommenden Tag elektronische Post. Bitte stimmen Sie der Vereinfachung des Einzugs des mit Ihnen vereinbarten Verwaltungsentgelts bis zum 30.09.2026 zu. Sie ist obligatorisch. Zukünftig wird direkt über die depotführende FIL Fondsbank (FFB) abgerechnet. Das bisherige Verfahren wird nicht mehr angeboten. An der Höhe der Kosten, den Strategien und ihrer persönlichen Betreuung ändert sich nichts. Erfreuliche Begleiterscheinung: Als technische Neuerung können künftig auch Auszahl- und Kombipläne für Ihr Depot hinterlegt werden.
In eigener Sache: Reform der Altersvorsorgereform
Wie bereits avisiert, ist die Reform der privaten Altersvorsorge vom Parlament beschlossen und erwartet ihre Durchführungsverordnungen. Entsprechende Altersvorsorgeprodukte können erst ab Januar 2027 zertifiziert werden. Was indes einzelne Anbieter und Finanzdienstleister nicht davon abhält, potenzielle Kunden schon heute zu bestürmen und in den kommenden Monaten einem medialen Dauerfeuer auszusetzen. Lassen Sie sich davon bitte nicht beeindrucken oder gar zu Affekthandlungen verleiten. Sie verlieren weder Zeit noch Förderungen.
Wie versprochen, analysieren wir für Sie gegenwärtig die aus dem Gesetz erwachsenden vielschichtigen Gestaltungsmöglichkeiten und die in den kommenden Monaten entstehende Produktlandschaft, um Sie zu gegebener Zeit individuell und professionell beraten zu können.alt – vorausgesetzt, man bleibt ihnen treu.
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